Checkliste: An diesen Merkmalen erkennen Sie einen guten Architekturfotografen

Lassen Sie uns einen kleinen Test machen: Geben Sie bei Google einmal den Suchbegriff “deutscher Architekturfotograf” ein. Über 200.000 Ergebnisse liefert die Suchmaschine, alleine für dieses Begriffspaar. Auf den ersten Seiten findet Sie eine Mischung aus Websites von Architekturfotografen, Berufsverbänden wie dem BVAF sowie Fotografen-Verzeichnissen.

Etwas einfacher wird die Suche, wenn Sie sich auf ein bestimmtes Einzugsgebiet beschränken, denken Sie bestimmt. Doch selbst bei der Suche nach “Architekturfotograf Düsseldorf” spuckt Google noch knapp 125.000 Ergebnisse aus, eine ähnliche Ereignisdichte liefern alle größeren deutschen Städte.

Zur Beurteilung und Auswahl des richtigen Architekturfotografen ist daher ein Bewertungskompass hilfreich, der Anhaltspunkte für dessen Qualität liefert. Dabei sollte immer zwischen subjektiven und objektiven Bewertungskriterien unterschieden werden.

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Selbstverständlich sind die Referenzbilder des Fotografen ausschlaggebend für einen ersten positiven Eindruck – gleichermaßen handelt es sich hierbei aber um ein Kriterium, das stark vom Geschmack oder von den Anforderungen des Betrachters abhängt. Viele Architekturfotografen haben einen eigenen Stil, Bauwerke zu fotografieren. Das spiegelt sich häufig sofort im Portfolio wider.

Auf der anderen Seite gibt es objektive Merkmale, an denen man ablesen kann, welche Erfahrung der Architekturfotograf mitbringt, wie transparent er über seine Arbeit sowie die Verwendung und Veröffentlichung seiner Bilder (Stichwort “Urheberrecht”) aufklärt, wie professionell er vor und während der Produktion arbeitet und welche Leistungen er danach übernimmt.

Dieser Artikel liefert eine ausführliche Checkliste mit Kriterien, die in jeder Phase der Zusammenarbeit mit einem Architekturfotografen zur Beurteilung dessen Arbeit herangezogen werden können. Dieses Wissen befähigt Sie dazu

  • effizientere Recherche-Arbeit zu betreiben
  • den richtigen Architekturfotografen für Ihr Architekturprojekt zu finden
  • frühzeitig zu erkennen, ob der Fotograf transparent anbietet und kommuniziert
  • auch während der Zusammenarbeit zu prüfen, ob der Fotograf sich an Qualitätsstandards hält

Eine Anmerkung, bevor es an die Checkliste geht: Auch wenn Sie mithilfe dieses Bewertungskompasses den besten Architekturfotografen für Ihr Projekt finden, ist dies noch kein Garant für exzellente Bilder. Erfahren Sie im nächsten Abschnitt, warum Sie selbst ausschlaggebend dafür sind, ob die Zusammenarbeit mit einem Fotografen zum Erfolg wird.

Inhaltsverzeichnis

  1. Teamwork erwünscht: Wie wichtig eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Architekt und Fotograf ist
  2. An diesen Kriterien erkennen Sie, ob Sie mit dem richtigen Architekturfotografen zusammenarbeiten
  3. Fazit: Der Intuition vertrauen, objektiv prüfen und Teamwork auf Augenhöhe fördern

Teamwork erwünscht: Wie wichtig eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Architekt und Fotograf ist

Ein gutes Architekturfoto entsteht in der Regel dann, wenn vier Voraussetzungen erfüllt sind:

Erstens: Gegenseitige Wertschätzung und Vertrauen bilden die Basis für die Zusammenarbeit. Dabei geht es um viel mehr als die Qualität des einzelnen Fotos. Architektur und Fotografie sind zwei Seiten einer Münze, und verstärken sich gegenseitig. Die Architekturfotografie ist das wichtigste Kommunikationsmittel des Architekten.

Das Renommee eines Architekten ist unter anderem davon abhängig, ob die Bilder seiner Bauten bekannt werden. Gleichermaßen definiert sich der Ruf eines guten Architekturfotografen über die Attraktivität des Bauwerks, das er fotografiert. Kurzum: Die gegenseitige Einflussnahme ist groß und schafft eine Abhängigkeit, die sich befruchtet.

Mehr zum Zusammenspiel zwischen Architektur und Fotografie finden Sie in unserem Einstiegs-Artikel “Architekturfotografie: Bedeutung und Nutzen für Architekten”.

Entdecken Sie spannende Projekte, Insights aus der Architekturfotografie und Fachartikel.

Zweitens: Zwischen Architekt und Fotograf herrscht ein Konsens in Bezug auf das architektonische Konzept. Nur wenn der Architekt verständlich vermitteln kann, warum und wie er ein Bauwerk entworfen hat, kann der Fotograf seine architektonische Idee bildlich umsetzen. Gleichermaßen ist es wichtig, dass Architekten ein Verständnis für die Arbeit und Handlungsspielräume des Fotografen entwickeln. Bei diesem Prozess werden Informationen und Ideen immer wieder hin- und her gespielt, bis eine gemeinsame Arbeitsbasis entsteht.

Wie Sie sich als Architekt optimal auf die Zusammenarbeit mit einem Architekturfotografen vorbereiten, erfahren Sie im Wissensartikel “Praxisleitfaden Architekturfotografie: Das sollten Architekten und Bauherren wissen”.

Drittens: Architekt und Fotograf organisieren ein Projekt zusammen – vom Briefing, über die Produktion bis hin zur Vermarktung des Bildmaterials. Auch wenn am Ende vielleicht nur ein einziges Bild entsteht, das ein Bauwerk und dessen architektonisches Konzept im perfekten Moment konserviert – die akribische Vorbereitung und der gegenseitige Support während der Produktion bilden die Summe des Erfolgs.

Dabei geht es häufig um vermeintliche Selbstverständlichkeiten: Kann sich der Fotograf anhand eines aussagekräftigen Briefings ein Bild des Bauwerks machen, ohne es jemals zuvor gesehen zu haben? Ist das Bauwerk zu Beginn der Produktion fertiggestellt und gereinigt? Sind die Mitarbeiter einer Firma darüber informiert, dass eine Produktion stattfindet? Sind alle Teil des Gebäudes sowie die relevante Technik (z.B. Sonnenschutz) zugänglich? Ist der Architekt am Produktionstag vor Ort?

Viertens: Transparenz ist der Kommunikationsgrundsatz zwischen Architekt und Fotograf. Stellen Sie sich vor, sie haben den richtigen Fotografen für ihr Projekt gefunden und die Produktion war ein voller Erfolg. Nun möchten Sie die Bilder dem Bauherrn zur Verfügung stellen oder sie planen eine Aussendung an die Fachpresse bzw. Verlage, bei der Sie den Redaktionen kostenfreies Bildmaterial liefern. Hier kann ein böses Erwachen drohen, wenn nicht im Vorfeld abgestimmt wurde, welche Nutzungs- und Veröffentlichungssrechte an den Architekten und dessen Abnehmer übergehen.

Urheberrecht, Property Release, Rechte Dritte, Presserechte – gerade in der Architekturfotografie gibt es hier viel zu beachten. Daher sollte sowohl der Fotograf, als auch der Architekt schon vor Auftragsbeginn dafür sorgen, dass Transparenz hergestellt wird.

An diesen Kriterien erkennen Sie, ob Sie mit dem richtigen Architekturfotografen zusammenarbeiten

Gegenseitige Wertschätzung, umfassendes Projektverständnis, Harmonie, Transparenz in der Kommunikation – alles subjektive Kriterien, bei denen häufig auch der Sympathiefaktor eine große Rolle spielt.

Gleiches gilt für den Bildstil eines Architekturfotografen. Auch wenn es in der Architekturfotografie ästhetische Richtlinien gibt, kann sich die Bildsprache von Fotograf zu Fotograf sehr deutlich unterscheiden. Ein und dasselbe Gebäude kann z.B. durch verschiedene Standpunkte, die Wahl der Tageszeit und der Wetterbedingungen, dem künstlerischen Anspruch des Fotografen und natürlich in der Nachbearbeitung völlig unterschiedlich wirken. Um Wiedererkennungseffekte in den eigenen Werken zu schaffen, setzen viele Architekturfotografen ähnliche Bildstile ein.

Ein wertvoller Tipp an dieser Stelle: Verlassen Sie sich bei der Durchsicht von Mappen oder Portfolio-Bereichen auf Fotografen-Websites auf Ihren inneren Kompass. Versuchen Sie ihr eigenes Ästhetikgefühl mit dem Bildstil des Fotografen abzugleichen. Spricht Sie die Art und Weise, wie ein Fotograf Bauwerke in Szene setzt, sofort an? Vertrauen sie ihrem Bauchgefühl und kontaktieren Sie den Fotografen!

Folgende Checkliste soll Ihnen von Anfang an dabei helfen, ihren ersten Eindruck mit objektiven Kriterien zu untermauern. Letztlich haben auch rationale Faktoren und damit Ihr Kopf einen großen Einfluss auf die Wahl des richtigen Fotografen.

1. So trennen Sie bereits in der Recherche-Phase die Spreu vom Weizen

  • Professioneller Auftritt im Web: Vermutlich wird der erste und wichtigste Berührungspunkt mit einem Architekturfotografen dessen Website sein. Auch im Internet gilt: Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Achten Sie darauf, ob die Homepage des Fotografen einen professionellen Eindruck macht. Wenn sie auf den ersten Blick stimmig und aufgeräumt wirkt, der Fotograf sich glaubwürdig darstellt und die Bilder aussagekräftig sind, ist bereits viel gewonnen. Denn ein professioneller Webauftritt ist häufig ein Spiegelbild für die Arbeitsweise und den Qualitätsanspruch des Fotografen.
  • Repräsentative Auswahl an Referenzbildern in hoher Qualität: Jeder Architekturfotograf hat ein Portfolio, in dem er Arbeitsproben sammelt. Besonders aussagekräftig ist das immer dann, wenn es repräsentativ für seine Werke steht. Anhand eines Portfolios lässt sich z.B. recht schnell feststellen, auf welche Bereiche der Architekturfotografie sich der Fotograf spezialisiert hat (z.B. Luxusvillen, Hotelfotografie, Interiorfotografie oder Industriefotografie). Darüber hinaus lässt sich aus guten Portfolios eine roter Linie in Bezug auf den Bildstil erkennen. Ein weiteres Beurteilungskriterium ist die Qualität der Bilder. Sind sie auch auf großen Bildschirmen gestochen scharf und perfekt in Szene gesetzt? Dann können Sie davon ausgehen, dass der Fotograf auch das Handwerk der Bildbearbeitung versteht.
  • Kundenreferenzen & Statements: Es gibt kaum einen aussagekräftigeren Proof für die Arbeit eines Architekturfotografen als echte Kundenstatements. Wenn Auftraggeber bereit sind, sich positiv über den Fotografen zu äußern, müssen sie mit seiner Arbeit hochzufrieden sein. Aber Vorsicht: Bei Kundenstimmen sollte immer ein Name bzw. ein Unternehmen angegeben sein, sodass sich die Aussagen auch durch eine schnelle Recherche belegen lassen. Generische Statements ohne konkreten Absender führen zum Gegenteil. Der Fotograf wirkt sofort unglaubwürdig.
  • Wissenstransfer auf der Website: Architekturfotografie ist ein vielschichtiges, komplexes und dadurch erklärungsbedürftiges Thema. Gute Fotografen informieren bereits auf der Website proaktiv und transparent. Beispielsweise über die Wirkungsfelder und rechtlichen Besonderheiten der Architekturfotografie. Halten Sie daher Ausschau nach Wissensdatenbanken, FAQs und Blogbeiträgen.
  • Externe Referenzpunkte: Ebenso wichtig wie eine starke Präsenz über die eigene Website, ist die Nennung des Fotografen in externen Quellen. Darunter fallen z.B. Fachpublikationen wie Online-Architektur-Magazine, Websites von anderen Architekten oder Bewertungsportale wie Google oder Trustpilot. Sie können ganz einfach herausfinden, wo der Fotograf im Netz auftaucht, indem Sie seinen Namen bei Google eingeben und die Ergebnisse durchforsten.
  • Mitgliedschaft in einem berufsspezifischen Verband: Eine externe Quelle, die es sich lohnt, besonders hervorzuheben, ist die Mitgliedschaft in einem Berufsverband. In Deutschland gibt es für Fotografen im Allgemeinen eine Reihe von Verbänden – speziell für die Architekturfotografie wurde der “Bundesverband Architekturfotografie e.V.”, kurz BVAF, gegründet. Seine Mitglieder durchlaufen eine Prüfung vor der Aufnahme – so wird gewährleistet, dass unter den Mitgliedern nur professionell aufgestellte Fotografen sind. Eine gute Anlaufstelle also für Architekten. Aktuell (Stand 12.08.2019) sind über 80 Architekturfotografen im gesamten Bundesgebiet Mitglied im BVAF.
  • Persönliche Empfehlung: Besonders wertvoll und in der Regel zeitsparend ist eine persönliche Empfehlung durch einen anderen Architekten. Fotografen, die herausragende Arbeit leisten, werden gern weiterempfohlen. Tatsächlich kommen die meisten neuen Aufträge bei vielen Fotografen über diesen viralen Kanal zustande. Fragen kostet bekanntlich nichts, zögern Sie daher nicht, Ihr Netzwerk anzusprechen.

2. Wichtige Qualitätsmerkmale bei der ersten Kontaktaufnahme zum Fotografen

  • Erreichbarkeit: Ein guter Architekturfotograf ist auch in der Regel ein guter Business-Partner. Das fängt bereits bei der ersten Kontaktaufnahme an. Bietet der Fotograf unterschiedliche Kontaktmöglichkeiten, wie Telefon, E-Mail oder ein Online-Kontaktformular? Besonders relevant ist hierbei die Reaktionsfreudigkeit.
  • Interesse an der Zusammenarbeit: Auch ein vielbeschäftigter Architekturfotograf sollte ein offenes Ohr für einen Neukunden haben. Sein Interesse an einem potentiellen Auftrag können Sie daran erkennen, ob er sich Zeit für ein Telefonat nimmt oder eine E-Mail ausführlich beantwortet. Darüber hinaus haben professionelle Architekturfotografen Routinen aufgebaut, um sich so effizient wie möglich zu organisieren. Sie merken schnell an den Rückfragen und am Engagement des Fotografen, ob er auch in der Geschäftsanbahnung sicher auftritt.
  • Individuelle Beratung: Auch wenn ein Architekturfotograf schon hunderte Bauwerke fotografiert hat, ist jeder Auftrag anders. Deshalb sollte er viel Wert darauf legen, Ihre Anfrage individuell zu betreuen und Sie bedarfsgerecht zu beraten. Ein gutes Indiz dafür, ob sich ein Fotograf mit Ihrem Anliegen intensiv beschäftigen will, ist die Anzahl an Informationen, die er darüber einholt. Meist passiert das in Form von Briefings oder Fragenkatalogen. Darüber hinaus kann ein guter Architekturfotograf schnell mögliche Problemstellungen eines Projekts erfassen und Aufklärungsarbeit z.B. im Bereich Bildrechte oder Bildvermarktung leisten. Die Kernfrage, die Sie sich stellen sollten, lautet: Löst der Fotograf meine Probleme, oder schafft er neue?

3. Transparente Kommunikation in der Angebotsphase

  • Professionelles Angebot: Das klingt banal, ist aber nicht unbedingt selbstverständlich. Zu einem professionellen Angebot gehört nicht nur, dass es alle rechtlich relevanten Informationen enthält und auf einem gestalteten Briefbogen abgebildet wird, sondern auch dass es inhaltlich nachvollziehbar und in einzelne Kalkulationsposten aufgeteilt ist. Besonders professionell und transparent ist ein Deckblatt oder Anhang, in dem die wichtigsten Punkte näher erläutert werden. Bei Architekturfotografen ist das vor allem für die Bildnutzungsrechte relevant.
  • Zusätzliche, nicht vorab kalkulierbare Aufwände: Auch wenn sich gute Architekturfotografen um die größtmögliche Transparenz in ihren Angeboten bemühen – alle Eventualitäten können nicht abgedeckt werden. Beispielsweise kann es passieren, dass ungeplanter Retuscheaufwand entsteht, wenn die Produktion vor Ort erschwert wird. Hängen vor einem Gebäude Oberleitungen einer Straßenbahn und lässt es sich nur damit fotografieren, kann die Bildbearbeitung wesentlich aufwändiger werden als geplant. Diese Möglichkeit sollte von vornherein im Angebot des Fotografen kommuniziert sein.
  • Allgemeine Geschäftsbedingungen: Auch Fotografen regeln gern die Rahmenbedingungen für eine Zusammenarbeit mit ihren Kunden in AGB. Achten Sie darauf, dass im Angebot ein Querverweis dazu zu finden ist und lesen Sie sich im Zweifel die AGB durch. Sie sollten gut strukturiert, flüssig lesbar und verständlich sein.
  • Kontaktaufnahme nach Angebotserstellung: Ein professioneller Architekturfotograf sollte nach der Übermittlung des Angebots für Rückfragen – auch kritischer Natur – zur Verfügung stehen. Versucht der Fotograf Sie proaktiv zu erreichen, sobald Ihnen sein Angebot vorliegt, ist das in der Regel ein sehr gutes Zeichen! Es weist darauf hin, dass er nichts zu verbergen hat und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe anstrebt.

4. Nach der Auftragserteilung ist vor der Produktion – das sollten Sie jetzt beachten

  • Projektbriefing: Neben der Produktion selbst zählt zu den wichtigsten Aufgaben eines Architekturfotografen, ein Verständnis und Bewusstsein für Ihr Bauwerk zu entwickeln. Dazu ist ein Briefing ganz entscheidend. Der Fotograf muss die Beantwortung von Briefing-Fragen nicht zwingend schriftlich einfordern, ein ausführliches Telefonat, in dem er sich Gesprächsnotizen macht, ist jedoch meist sehr hilfreich für beide Seiten. Hier sind auch Sie gefragt: Geben Sie dem Fotografen so viele Informationen wie möglich – auch wenn die ausführliche Beantwortung von Briefings die ein oder andere Stunde in Anspruch nehmen kann. Sie werden merken, dass sie dadurch sehr schnell auf eine andere, wesentlich substanziellere Kommunikationsebene mit einem guten Architekturfotografen kommen.
  • Vor-Ort-Gegebenheiten: Dieser Punkt schließt sich an den ersten Punkt an. Viele Fotografen lassen sich bereits durch die Beantwortung des Briefings über die Begebenheiten vor Ort informieren. Herausragende Architekturfotografen beschäftigen sich intensiv mit diesem Thema. Denn davon hängt die Produktionsplanung maßgeblich ab. Sind beispielsweise Hochstative, Leitern, Hubsteiger oder gar Drohnen für Luftaufnahmen nötig? Müssen Genehmigungen von umliegenden Grundstückseigentümern eingeholt werden? Je besser sich der Fotograf ein Bild des Bauwerks und seiner Umwelt verschaffen kann, umso gezielter kann er vor Ort arbeiten.
  • Persönliche Abstimmung: Architekturfotografen wissen, dass sich oftmals erst durch Kommunikation mit allen direkt beteiligten Parteien ein Gesamtbild ergibt. Der Architekt hat womöglich andere Interessen als der Bauherr, der ihn beauftragt hat. Ist die Marketingabteilung eines Unternehmens zusätzlich eingebunden, müssen im Vorfeld auch deren Wünsche und Erwartungshaltung abgeklärt werden. Um möglichst alle Beteiligten zufriedenzustellen, steht der Fotograf für alle Parteien zur Verfügung.

5. Wie sich ein guter Architekturfotograf während einer Produktion verhalten sollte

  • Die Hygienefaktoren: Der Begriff “Hygienefaktor” stammt ursprünglich aus der Zweifaktorentheorie der Arbeitszufriedenheit. Er lässt sich allerdings wunderbar auf eine Architektur-Produktion anwenden. Sie dürfen von einem guten Fotografen erwarten, dass er pünktlich zur Produktion erscheint, sein Erscheinungsbild seriös ist und natürlich dass er Sie und Ihren Auftraggeber respektvoll und zuvorkommend behandelt. Das sind absolute Selbstverständlichkeiten, die sehr schnell negativ ins Gewicht fallen und eine Zusammenarbeit gefährden, wenn sie nicht eingehalten werden. Daher nennt man sie “Hygienefaktoren”. Darüber hinaus gehört auch Diskretion zu den Kriterien, die ein Architekturfotograf erfüllen sollte. Denken Sie an diesen Fall: Sie möchten ein besonders wertvolles Bauwerk fotografieren lassen, z.B. die Luxusvilla eines Millionärs. Während der Produktion müssen sie sich zu 100 Prozent darauf verlassen, dass der Fotograf behutsam mit Einrichtungsgegenständen umgeht und seine Arbeit auch ohne Ihre permanente Aufsicht gewissenhaft erledigt.
  • Das Equipment: Schon während der Briefing-Phase eruiert ein guter Architekturfotograf, welches Equipment für die Produktion am meisten Sinn macht. Wichtig ist natürlich, dass er alle besprochenen und angebotenen Materialien wie Hochstative oder Leitern dabei hat. Gerade bei größeren Gegenständen oder Maschinen wie z.B. Hubsteiger informiert der Fotograf vorab, dass diese für den Produktionstag vom Architekten oder Bauherrn gestellt werden sollten.
  • Die Vor-Ort-Begehung: Kommt ein Architekturfotograf zur Produktion und fängt sofort mit dem Shooting an, läuft in der Regel etwas falsch. Sofern er sich nicht in einem Vorab-Termin bereits einen Überblick über das Bauwerk und dessen Umwelt verschafft hat, begeht er das gesamte Gelände erst einmal ausführlich. Hier ist auch die Anwesenheit des Architekten und/oder Bauherrn sowie aller Projektbeteiligter gern gesehen. Wünsche können direkt am Gebäude skizziert werden und der Architekt kann sein Konzept noch einmal plastisch verdeutlichen.
  • Der optimale Produktionszeitpunkt: Besonders wichtig in der Architekturfotografie ist die richtige Wahl der Uhrzeit, der Jahreszeit und der Wetterbedingungen. Ein guter Architekturfotograf weiß genau, welche Wirkungsweisen z.B. die sog. blaue und goldene Stunde haben – oder ein wolkenverhangener Himmel. Prüfen Sie seine Expertise und stellen Sie ihm während der Produktion Fragen dazu. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie im Wissensartikel “Licht und Wetter in der Architekturfotografie”.

6. Professionelle Begleitung auch nach der Produktion

  • Erfolgs-Feedback: Wer für eine Architekturproduktion viel Zeit und Geld investiert, möchte natürlich auch wissen, ob das Shooting ein Erfolg war. Gute Architekturfotografen sind es gewohnt, ihren Kunden schon kurz nach der Produktion ein erstes Feedback zu geben. Dabei sollten Sie auch erfragen, wie mit welcher Zeitspanne Sie rechnen können, bis eine erste Bildauswahl steht.
  • Einfacher, zeitgemäßer Zugriff auf Bilder: Auch die technische Infrastruktur, die der Fotograf nutzt, kann zum Zeitfaktor werden. Heute ist es üblich, dass Fotografen ihre Bildauswahl in die Cloud laden und den Zugriff darauf online zur Verfügung stellen. Wichtig dabei ist, dass die Bilder in einem passwortgeschützten Verzeichnis liegen und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Der weitere Auswahlprozess sollte sich ebenfalls benutzerfreundlich gestalten.
  • Archivierung der Daten: Ein guter Fotograf sollte dafür sorgen, dass das Bildmaterial jederzeit verfügbar ist. Hierzu werden die Bilder vom Fotografen archiviert – und zwar dauerhaft. Sollten Sie also nach einigen Monaten oder Jahren die Bilder nicht mehr zur Hand haben, können Sie sich an den Fotografen wenden und die Bilder erneut anfordern. Ein kundenorientierter Architekturfotograf sollte diesen Service kostenfrei anbieten. 
  • Gute vs. schlechte Daten: Haben Sie schon mal etwas von ITPC gehört? Dieser Standard wurde bereits 1991 entwickelt und dient seither als Dateiformat zur Anreicherung von Bildern mit Metadaten. So können in den ITPC Daten eines Fotos beispielsweise Vermerke zum Urheber, zum Namen des Erstellers, sowie Bildbeschreibungen und Tags hinterlegt werden. Fotografen stellen so sicher, dass sie als Urheber ihrer eigenen Bilder identifizierbar bleiben. Weder Architekten, noch andere Nutzer dürfen ohne Zustimmung des Fotografen diese Daten verändern. Ein guter Architekturfotograf sollte Ihnen – zumindest auf Rückfrage – nähere Auskunft zu diesem Thema geben können.
  • Unterstützung bei der Veröffentlichung und Vermarktung: Absolut keine Selbstverständlichkeit ist es, wenn Architekturfotografen ihre Kunden auch nach Projektabschluss weiter beraten. Das kann vor allem im Bereich Eigenvermarktung und Veröffentlichung der Bilder einen entscheidenden Vorteil bringen. Renommierte Architekturfotografen haben häufig direkte Kontakte zu den Redaktionen der Fachpublikationen oder zu den Verlagen. Mit Support in Sachen Bildvermarktung kehren wir zum Anfang dieses Artikels zurück und schließen den Kreis. Denn der Fotograf hat ein großes Eigeninteresse daran, dass Sie seine Bilder zu Selbstvermarktungszwecken nutzen. Es ergibt sich ein Win-Win-Effekt: Seine und Ihre Arbeit wird dadurch bekannter und beide Partner werden sichtbarer für die Öffentlichkeit.

Fazit: Der Intuition vertrauen, objektiv prüfen und Teamwork auf Augenhöhe fördern

Subjektive und objektive Faktoren spielen für die Auswahl des richtigen Architekturfotografen eine Rolle – Teamarbeit ist der ultimative Schlüssel zum Erfolg. Dieser Artikel hat Ihnen die drei wichtigsten Spannungsfelder für die Beurteilung eines Architekturfotografen nähergebracht.

Mithilfe der detaillierten Checkliste können Sie die Leistung in jeder Phase der Zusammenarbeit bewerten. Verlassen sollten Sie sich aber auch auf Ihr Ästhetikgefühl, das Ihnen schnell ein Signal gibt, ob Sie mit dem Bildstil des Architekturfotografen zurecht kommen. Und wie so oft im Leben, wenn Menschen zusammenarbeiten, spielt auch der Sympathiefaktor und die gegenseitige Wertschätzung eine entscheidende Rolle.

Entdecken Sie spannende Projekte, Insights aus der Architekturfotografie und Fachartikel.

Gehen Sie mit diesen neu gewonnenen Erkenntnissen mit Architekturfotografen ins Gespräch. Picken Sie sich die für Sie wichtigsten Punkte aus der Checkliste heraus und nehmen Sie sie als Maßstab für die Auswahl des passenden Architekturfotografen oder stellen Sie ihren jetzigen Partner auf den Prüfstand. Und am Ende sollten Sie natürlich auch beim Angebot ein gutes Gefühl haben. Wie teuer gute Architekturfotografie sein darf, erklären wir in diesem Wissensartikel: