Praxisleitfaden Architekturfotografie: Das sollten Architekten und Bauherren wissen

Das Licht an diesem Abend im Frühherbst ist perfekt. Die Sonne ist vor einigen Minuten  untergegangen und der Himmel tiefblau gefärbt, wie es für die blaue Stunde so typisch ist. Davor thront das Bauwerk, eine moderne Stadtvilla, als hätte der Architekt sie nur für diesen einen Moment entworfen. Der Architekturfotograf blickt durch den Sucher seiner Kamera und löst aus. Einige Tage später erhält der Fotograf eine Karte. Darauf steht: “Vielen Dank für die wunderbaren Bilder, die meinen architektonischen Entwurf auf den Punkt bringen.”.

Abb. 1: Stadtvilla, fotografiert während der blauen Stunde (© Philip Kistner Fotografie)

Es versteht sich von selbst, dass jeder Auftraggeber – ob Architekt, Designer oder Bauherr – den Wunsch nach der optimalen Visualisierung seines Bauwerks hat. Doch selbstverständlich ist das nicht. 

In der Architekturfotografie nehmen enorm viele Faktoren Einfluss auf die Qualität eines Bildes. Neben dem Geschick, der Erfahrung und dem Equipment des Fotografen wird das Endresultat vor allem durch die Vorbereitung auf und die Rahmenbedingungen während der Produktion beeinflusst. Aber auch ein Grundverständnis für das Zusammenspiel zwischen Architektur und Fotografie führt dazu, dass aus einer Gebäude-Intention eine perfekte Aufnahme wird. Und das gelingt nur, wenn Architekt und Fotograf als gut eingespieltes Team agieren.

Dieser Artikel schafft Bewusstsein dafür, wie erfolgreiche Architekturfotografie entsteht und funktioniert. Er richtet sich vor allem an Architekten, aber auch an Designer und Bauherren, die einen Leitfaden für die praktische Zusammenarbeit mit Architekturfotografen suchen. Mit diesem Wissen können Sie

  • geeignete Einsatzbereiche für Architekturfotografie identifizieren
  • die perfekte Ausgangslage für eine erfolgreiche Produktion schaffen
  • auf Augenhöhe mit Architekturfotografen kommunizieren
  • Bilder korrekt verwenden und veröffentlichen

Angereichert wird dieser Leitfaden mit zahlreichen Praxistipps und Vorlagen, die Ihnen eine Produktionsanfrage sowie -realisierung erleichtern.

“Erst wenn ich die Idee hinter einem Bauwerk, die Intention des Architekten verstehe, kann ich sie so fotografieren, dass dabei ein visueller Mehrwert entsteht.”

Philip Kistner, Architekturfotograf

Inhaltsverzeichnis

  1. Zwischen Kommunikation und Kunst: Der Wert der Architekturfotografie
  2. Begleiten und Bewerben: Die Einsatzbereiche der Architekturfotografie
  3. So stellen Sie für ein Architektur-Shooting optimale Rahmenbedingungen her
  4. Was Architekturfotografen brauchen, um sich optimal auf eine Produktion vorzubereiten
  5. Neue Perspektiven: Equipment macht Architektur-Produktionen noch bedeutender
  6. Ein eigenes Kapitel: Bildnutzungsrechte in der Architekturfotografie
  7. Fazit: Gute Architekturfotografie entsteht nicht durch Zufall

Zwischen Kommunikation und Kunst: Der Wert der Architekturfotografie

Die Aufgabe der Architekturfotografie ist es, Bauwerke zum Leben zu erwecken und ihren Nutzen in einem ökonomischen, politischen und räumlichen Kontext darzustellen. Damit übersetzt sie die Idee des Architekten in die Realität: Aus Entwürfen, Bauzeichnungen und Plänen entstehen Bauwerke, die durch Bilder lebendig und in ihre Umwelt eingebettet werden. Besonders erwähnenswert dabei ist: Architekturfotografie versteht sich nicht als reinen Selbstzweck. 

Erst durch die Bilder eines Bauwerkes ist es dem Architekten bzw. Bauherrn möglich, sein Werk zu kommunizieren, mediale Aufmerksamkeit zu schaffen und Epochen der Baukunst aktiv mitzuprägen. Vereinfacht gesagt: Ohne Architekturfotografie ginge Architekten schnell die Arbeit aus – und ohne Architektur gäbe es für Architekturfotografen keine Daseinsberechtigung.

Neben dem kommunikativen Zusammenspiel zwischen Fotograf und Architekt, aus dem sich eine Vermittlungsfunktion (Transport des konzeptionellen Gedankens) ergibt, erfüllt die Architekturfotografie einige wichtige gesellschaftliche und kulturelle Funktionen. Zum einen wären Berufe wie Architekturkritiker, Architekturhistoriker, Architekturprofessor oder Architekturforscher ohne sie nicht denkbar. 

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Zum anderen hat sie eine aufklärerische Funktion. Sie bringt Menschen Bauwerke näher, um deren Existenz sie sonst nicht einmal wüssten. Das beinhaltet auch eine Informations- und Dokumentationsfunktion. Gebäude werden visuell beschrieben und ihr Zustand im Kontext der Zeit gezeigt.

Darüber hinaus hat Architekturfotografie großen Einfluss auf kulturelle Entwicklungen, indem sie Bauwerke nicht nur dokumentiert, sondern interpretiert und kommentiert. So werden ganze Stilepochen nicht nur von Architekten, sondern auch von Fotografen geprägt. 

Diese Funktionen und Gestaltungsmöglichkeiten sollten Auftraggeber in der Zusammenarbeit mit Architekturfotografen kennen und immer im Hinterkopf behalten. Das ist nicht nur für das Teambuilding in der konkreten Projektarbeit wichtig, sondern schafft eine weitere Möglichkeit der Einflussnahme über den architektonischen Entwurf hinaus.

Ausführliche Informationen zur Bedeutung und zum Nutzen der Architekturfotografie finden Sie in diesem Wissensartikel.

Begleiten und Bewerben: Die Einsatzbereiche der Architekturfotografie

Baudokumentation

Auch wenn die bekanntesten Architekturfotografien fertige Gebäude aus spannenden Perspektiven zeigen, beginnt die Begleitung eines Bauwerks durch den Fotografen häufig wesentlich früher. Das gilt besonders für große Bauprojekte, die sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren erstrecken können. Architekturfotografie wird hier zum Zweck der Baudokumentation eingesetzt. 

Gebäude werden vom Entwurf bis zu ihrer Fertigstellung – und manchmal auch darüber hinaus in ihrer Nutzung – visuell begleitet. Dabei geht es um eine chronologische Abbildung der einzelnen Bauphasen, um den Fortschritt des Bauprojektes zu zeigen.

Darüber hinaus besitzen fotodokumentarische Aufnahmen auch eine Relevanz, wenn Gebäude später verändert, erweitert oder abgerissen werden. Zusammen mit anderen Mitteln der Baudokumentation wie Bau- und Raumplänen oder Statikaufzeichnungen bildet die Architekturfotografie die Grundlage für ein ganzheitliches Verständnis des Bauwerks.

Für Architekten bietet sich außerdem ein Zusatznutzen: Das architektonische Konzept lässt sich wesentlich einfacher und facettenreicher kommunizieren, wenn der Entstehungsprozess in einer Bildserie dargestellt wird.

Konservierung der architektonischen Idee

Der Moment, wenn die letzte Mauer steht, das letzte Fenster eingesetzt ist, die letzte Fassade ihren Anstrich erhalten hat und das Bauwerk in vollendetem, ungenutzten Zustand erstrahlt: Ein für den Architekten zutiefst befriedigender Moment, der ihn mit Stolz und Freude erfüllt.

Eine der wichtigsten Aufgaben der Architekturfotografie ist die Konservierung dieses besonderen Augenblicks. Die Aufnahme des “perfekten” Gebäudezustands hat für den Architekten aber weit mehr als einen sentimentalen Nutzen. Sie wird zum wichtigsten Referenzpunkt seiner Arbeit. Zeigt er sein Portfolio, findet sich genau diese, vom Entwurf in die Realität portierte, konservierte Perfektion seiner Idee dort wieder.

Die visuelle Konservierung des Bauwerks hat darüber hinaus für den Architekten einen weiteren Mehrwert: Sein Entwurf steht auf einmal nicht mehr nur im leeren Raum, sondern wird durch die Umwelt eingerahmt. Erst das geschulte Auge des Architekturfotografen, der geschickt mit Perspektive und Licht spielt, fördert die gesamte Tragweite des Gebäudes im Raum zu Tage.

Selbstvermarktung

Die Architekturfotografie gehört zu den elementarsten Kommunikationsmitteln des Architekten. Ob perfekt konservierter Moment, zwiebelartige Entfaltung der architektonischen Idee in Form einer chronologischen Baudokumentation oder Visualisierung des praktischen Nutzens eines Gebäudes – Fotografien sind für Architekten Marketinginstrumente. In folgenden Bereichen können sie zur Selbstvermarktung genutzt werden:

  • Aufbau eines Projekt- bzw. Kunden-Portfolios, z.B. als digitale Präsentation oder als analoge Projektmappe, respektive Referenz-Buch
  • Befüllung des Online-Portfolios, z.B. auf der eigenen Website
  • Visueller Content für die Vermarktung in sozialen Medien wie Instagram, LinkedIn oder Facebook
  • Bei der Bewerbung auf Ausschreibungen (Erfüllung von geforderten Kriterien und Referenzen)
  • Aufhänger für die Publikation von Artikeln in Fachmagazinen oder auf dem eigenen Blog
  • Als Tool zur Mitarbeiterrekrutierung: Darstellung als attraktiver Arbeitgeber mit fachlicher Kompetenz und spannenden Projekten, z.B. direkt in den Stellenausschreibungen, im Karriere-Bereich der eigenen Website oder im persönlichen Kontakt mit Bewerbern

Veröffentlichen

Architekturfotografen produzieren Bilder häufig nicht nur für ihre direkten Auftraggeber (meist Architekten), sondern auch für deren Auftraggeber (Bauherren). Gerade bei Unternehmen ist es üblich, ein neues oder saniertes Firmengebäude als Meilenstein in der Firmengeschichte zu präsentieren. Bilder werden daher häufig auf Seite des Gebäudeeigentümers in folgenden Medien weiterverwendet:

  • Firmenchroniken
  • Jahrbücher/Rückblicke
  • Jahresberichte
  • bei energetischen Sanierungen auch in Publikationen wie Nachhaltigkeitsberichten (CSR-Reports)
  • zur Nutzung auf den eigenen Vermarktungskanälen wie Website, Social Media, Image-Broschüren, Presseberichten uvm.

Übrigens: Für größere Architekturbüros kann es relevant sein, selbst o.g. Materialien zu erstellen und in der Kommunikation mit Interessengruppen (Stakeholdern) zu nutzen.

So stellen Sie für ein Architektur-Shooting optimale Rahmenbedingungen her

Bei einer architekturfotografischen Produktion spielen die Rahmenbedingungen – oft Details und vermeintliche Kleinigkeiten – eine entscheidende Rolle für die Qualität der Bilder. Nachfolgend werden einige Beispiele aufgeführt, die der Architekturfotograf Philip Kistner im Laufe der Jahre gesammelt hat. Sie verstehen sich als Checkliste für Architekten und Auftraggeber:

1. Gebäudezustand

  • In welchem Zustand soll das Gebäude fotografiert werden (einzelne Bauabschnitte, fertiggestelltes Objekt etc.)?
  • Befinden sich direkt am Gebäude Elemente, die nicht auf den Bildern zu sehen sein sollten, z.B. Baugerüste, nicht fertig gestrichene Fassaden etc.?
  • Ist die Umgebung um das Gebäude herum aufgeräumt? Bedenken Sie, dass auf den Bildern ggf. nicht nur das Bauwerk selbst zu sehen ist, sondern auch ein Teil der Umwelt (z.B. Grünflächen, Einfahrten, Parkplätze etc.)
  • Wurde das Gebäude (Fassade, Fenster, Türen etc.) vor der Produktion gereinigt?

2. Zugänglichkeit

  • Ist das Gebäude für den Fotografen gut zugänglich?
  • Kann der Fotograf Hilfsmittel wie Leitern oder Hubsteiger verwenden?
  • Kann die Produktion ausschließlich auf dem Gelände stattfinden oder müssen Genehmigungen von umliegenden Eigentümern eingeholt werden?
  • Sind alle shooting-relevanten Bereiche auf dem Gelände (zu jeder Uhrzeit) frei zugänglich oder muss das Sicherheitspersonal informiert werden?
  • Gibt es bestimmte Bereiche, die durch Alarmanlagen oder Schlösser gesichert und damit für den Fotografen nicht zugänglich sind?

3. Nutzung der Gebäudetechnik

  • Hat der Fotograf die Möglichkeit, das Bauwerk durch Nutzung der Gebäudetechnik zu arrangieren?
  • Ist ein Zugriff auf die Beleuchtungsanlage/Lichtsteuerung (Innen- & Außenbereich) möglich?
  • Können Lichtschutzeinrichtungen wie Jalousien, Rollläden oder Sonnensegel bedient werden?
  • Ist die Bedienung elektrischer Tore/Türen/Schleusen möglich?

4. Jahreszeit und Wetter

  • Wie wirkt sich die Jahreszeit und das Wetter auf die Produktion aus?
  • Welche Teile des Gebäudes werden direkt von der Sonne angestrahlt?
  • Welche Stimmung ergibt sich durch das natürliche Licht am Produktionstag?
  • Welche Tageszeit ist für die optimale Inszenierung des Bauwerks am besten geeignet (Stichwort “blaue und goldene Stunde”)?
  • Welchen Einfluss hat das Wetter auf die Begehbarkeit des Gebäudes (z.B. Schnee, Blütezeit von Pflanzen, die das Gebäude ggf. verdecken oder bewusst genutzt werden sollen etc.)

5. Support vor Ort

  • Welche Ansprechpartner sind am Produktionstag vor Ort, die das Bauwerk gut kennen?
  • Welchen kreativen Input können der Architekt sowie der Bauherr dem Fotografen liefern?
  • Wurden Wünsche für bestimmte Aufnahmen geäußert?
  • Wurden die Mitarbeiter über die Produktion informiert?
  • Hat der Architekt die Dokumentation des Projektes für Selbstvermaktungszwecke eingeplant?
  • Sind Marketing-Mitarbeiter des Auftraggebers vor Ort, die über die Verwendung der Bilder Bescheid wissen?

Was Architekturfotografen brauchen, um sich optimal auf eine Produktion vorzubereiten

Stichwort Fotografenbriefing: Das ausführliche Onboarding eines Architekturfotografen hat direkte Auswirkungen auf die Effizienz der Produktion. Bedeutet konkret: Je besser ein Fotograf über die Gegebenheiten vor Ort und die Möglichkeiten der Produktion informiert ist, umso besser kann er sich darauf vorbereiten. Ein wesentlicher Punkt dabei ist die Schaffung der richtigen Rahmenbedingungen, wie weiter oben beschrieben. Besonders ärgerlich, vor allem für den Auftraggeber, wird es dann, wenn die Hälfte des Produktionstages für Aufräumarbeiten und Gebäude-Arrangement verloren geht.

Ein optimal vorbereitetes Fotografenbriefing beinhaltet daher folgende Bestandteile:

  • Schnappschüsse des Gebäudes, Grundrisse, Renderings, Bauzeichnungen – besonders wichtig ist die Kennzeichnung der Himmelsrichtungen, damit der Fotograf weiß, wann welches Licht auf das Gebäude fällt
  • Attraktive Blickwinkel auf das Gebäude (z.B. Lichtstimmungen, Schattenwürfe etc.) – die kann in der Regel der Architekt oder Bauherr schildern, da er das Gebäude gut kennt
  • Idee des architektonischen Entwurfs: Der Fotograf kann die Intention des architektonischen Entwurfs am besten visualisieren, wenn er sie verstanden hat. Dazu ist die vorherige Absprache mit dem Architekten unerlässlich.
  • Welche Story sollen die Bilder erzählen? Soll das Bauwerk lebendig und während der Nutzung gezeigt werden (z.B. Schule mit spielenden Kindern bei blauem Himmel) oder rational und nüchtern (gleiche Schule, diesmal menschenleer und bei dichter Wolkendecke)?
  • Abweichungen vom Entwurf sollten verdeutlicht werden. Dabei geht es vor allem darum, wie sich das fertige Gebäude vom Entwurf unterscheidet und welche Teile davon auf Bildern kaschiert werden sollen.
  • Bevorzugter Bildlook: Präferiert der Architekt / Bauherr einen bestimmten Bildstil? Zur Verdeutlichung ggü. dem Fotografen helfen in der Regel Beispielbilder von anderen Bauwerken, die dem Auftraggeber stilistisch gefallen.
  • Ist die Verwendung der Bilder in verschiedenen Medien geplant? Der Fotograf kann besser auf die Wünsche eingehen, wenn er weiß, in welchem Zusammenhang die Bilder später verwendet werden (z.B. Buchpublikation mit zusammenhängender Story oder einzelnes Kunstwerk zur Ausstellung im Büro)
  • Ansprechpartner vor Ort sollten benannt werden. Dazu gehören Informationen wie die Funktion der Person (Architekt, Geschäftsführer, Eigentümer etc.) sowie dessen Kontaktdaten

Neue Perspektiven: Equipment macht Architektur-Produktionen noch bedeutender

Ein wichtiges Gestaltungsmittel in der Architekturfotografie ist der Standpunkt. Er ist entscheidend für die Wahrnehmung der Gebäudeproportionen, schafft über die Einblendung der Umwelt einen Kontext und kann die Wirkung der architektonischen Idee verstärken. Das Spiel mit Standpunkten kann ein Gebäude neu interpretieren. So entsteht aus Experimentierfreudigkeit ein neuer architektonischer Facettenreichtum.

Außergewöhnliche Bilder entstehen in der Architekturfotografie durch Zuhilfenahme von Equipment:

  • Mit Drohnen lassen sich Gebäude aus der Luft fotografieren. Aufnahmen in Höhen bis maximal 100 Metern sind so möglich. Damit lassen sich auch größere Gebäude vollständig abbilden. Besonders wenn das Bauwerk zwischen anderen Bauten eingekesselt ist, lohnt sich der Einsatz von Drohnen, um Luftbilder zu produzieren. Darüber hinaus haben gerade Firmengebäude, fotografiert aus der Vogelperspektive, eine ganz eigene Bildsprache.
  • Hochstative bieten die Möglichkeit, über Objekte wie Autos, Container, Tore etc. hinwegzufotografieren. Über 10 Meter können die Stative dabei ausgefahren werden, sodass sich Gebäude und Kamera auf “Augenhöhe” begegnen.
  • Hubsteiger, auch Hebebühnen genannt, haben den Vorteil gegenüber der Drohne, dass der Fotograf samt Kamera und Stativ hineinpassen und ein guter Stand für längere Zeit auf einer bestimmten Höhe möglich wird. Sie können in der Regel weiter ausgefahren werden als Hochstative und bieten so noch mehr Flexibilität für erhöhte Shooting-Positionen.
  • Helikopter werden vor allem zur Abbildung von sogenannten Cityscapes genutzt – also wenn Skylines oder ganze Stadtteile aus der Luft visualisiert werden sollen. Im Gegensatz zur Drohne ist ihr Einsatz auch in Höhen deutlich über 100 Metern möglich.

Ein eigenes Kapitel: Bildnutzungsrechte in der Architekturfotografie

Da an Bauprojekten meist viele Parteien beteiligt sind, die Interesse an den Bildern anmelden und Architekturfotografien prädestiniert für die mediale Vermarktung sind, sollten die Nutzungsrechte von vornherein klar sein und transparent bei allen Parteien kommuniziert werden.

Grundsätzlich gilt – und zwar nicht nur für Architekturfotografie: Urheber und Eigentümer des Bildmaterials ist und bleibt der Fotograf. Architekten und Bauherren erwerben bei Abnahme der Bilder Bildnutzungsrechte. Diese können durch den Urheber (Fotograf) individuell vereinbart und separat angeboten werden. Eine gute Übersicht über die möglichen Bildnutzungsrechte bietet der Bundesverband Architekturfotografie (BVAF):

Übersicht “Nutzungsrechte in der Architekturfotografie” des BVAF

Architekturfotograf und BVAF Vorstandsbeirat NRW Philip Kistner bietet einen Anhaltspunkt zur einfachen Kategorisierung von Bildnutzungsrechten in seiner Branche. Er unterteilt in

  • Basis-Nutzungsrechte, bei denen die Verwendung der Bilder in eigenen Medien (z.B. Website, Broschüren oder Präsentationen) inbegriffen ist.
  • Nutzungsrechte für die Publikation, bei denen Bilder auf externen Plattformen veröffentlicht werden (z.B. in Fachzeitschriften, Presseportalen in Zeitungen oder Büchern).
  • Bildnutzungsrechte für Dritte (z.B. am Bau des Gebäudes beteiligte Firmen wie Bauträger, Handwerker etc.).

Darüber hinaus gibt es in der Architekturfotografie spezielle Themen, die rechtliche Relevanz besitzen:

  • Rechte Dritter:
    Nehmen wir an, die Innenarchitektur eines Kunstmuseums soll fotografiert werden. Rechtlich ein schwieriger Fall, denn an den Wänden hängen Kunstwerke, die selbstverständlich von großer inhaltlicher Relevanz für die Aufnahmen sind. Architekturfotografen können nicht garantieren, dass in solchen Fällen Rechte Dritter verletzt werden könnten. Im konkreten Fall könnten z.B. die Urheberrechte der Maler betroffen sein, deren Bilder im Museum ausgestellt werden. Gute Architekturfotografen weisen Auftraggeber in der Regel darauf hin, wenn Rechte Dritter verletzt werden könnten, sie übernehmen jedoch nicht die Haftung für Rechte Dritter. Hierfür ist der Auftraggeber selbst zuständig und verantwortlich. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in diesem Wissensartikel.
  • Panoramafreiheit:
    Das Fotografieren urheberrechtlich geschützter Gebäude oder Objekte ist dann erlaubt, wenn dies von öffentlichen Flächen aus geschieht (z.B. wenn ein Firmengelände von einem öffentlichen Gehweg aus fotografiert wird). Die Erlaubnis des Urhebers muss in diesem Fall nicht eingeholt werden.
  • Recht auf Fotografie der eigenen Referenzen:
    Dieses Thema betrifft ganz konkret Architekten. Sie haben nämlich einen Rechtsanspruch darauf, die von ihnen entworfenen Gebäude zu Referenzzwecken zu fotografieren. Und das selbst dann, wenn der Bauherr dies untersagen möchte.
  • Property Release:
    Diese Fotografiererlaubnis ist in jedem Fall sinnvoll, um von vornherein Transparenz zu schaffen und möglichen Rechtsstreitigkeiten aus dem Weg zu gehen. Dabei gibt der Eigentümer des Gebäudes/Grundstücks bzw. der Rechteinhaber eines Objektes die ausdrückliche Zustimmung zur Verbreitung und Veröffentlichung der Bilder. Eine Property Release Vorlage finden Sie hier.

Fazit: Gute Architekturfotografie entsteht nicht durch Zufall

Dieser Artikel hat Ihnen die Komplexität guter Architekturfotografie nähergebracht. Qualitativ hochwertige Bilder sind kein Zufallsprodukt, sondern entstehen aus gegenseitiger Wertschätzung zwischen Architekten/Bauherren und Fotografen. Für eine effiziente Produktion spielen außerdem die Rahmenbedingungen, wie Gebäudezustand oder Zugänglichkeit von Grundstück und Technik, eine entscheidende Rolle.

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Durch ein ausführliches Briefing kann sich der Architekturfotograf optimal auf die Produktion vorbereiten, das richtige Equipment wählen und den architektonischen Entwurf bildlich umsetzen. Damit es bei der Verwendung und Weiterverwertung der Bilder kein böses Erwachen gibt, ist ein umfassendes Verständnis der Bildnutzungsrechte elementar. Professionelle Architekturfotografen zeichnen sich unter anderem dadurch aus, gerade bei diesem Thema transparent zu informieren. Zögern Sie also niemals, sie auf den Umgang mit Bildnutzungsrechten anzusprechen.

An welchen weiteren Merkmalen Sie gute Architekturfotografen erkennen, verrät Ihnen dieser Wissensartikel:

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