Ratgeber: Wie teuer ist ein guter Architekturfotograf?

Wer schon einmal mit Fotografen zusammengearbeitet hat weiß: Honorare fallen sehr unterschiedlich aus. Schnell kann der Eindruck entstehen, es fehle in der Preiskalkulation die nötige Transparenz. Auftraggeber haben verständlicherweise ein Interesse daran, die Leistung von Fotografen vergleichbar zu machen, um das für sie optimale Angebot auszuwählen. Doch diese Vorgehensweise führt in der Regel nicht zum besten Endergebnis – gerade im Bereich der Architekturfotografie.

Nun könnte man es sich leicht machen und die Frage, wie teuer gute Architekturfotografie ist, mit nur einem Satz beantworten: Es kommt darauf an. Und wahrscheinlich werden Sie genau diese Antwort in 8 von 10 Erstgesprächen mit Architekturfotografen hören, wenn Sie sie zu Beginn der Konversation stellen.

Die Erklärung dafür liegt auf der Hand: Architekturfotografie gehört zu den komplexesten Teilbereichen der Fotografie. Klar, ein Bauwerk läuft nicht weg, es ist ein statisches Objekt. Doch seine gesamte Umwelt ist ständig in Bewegung und beeinflusst die Rahmenbedingungen einer Produktion. Akribische Planung und Vorbereitung gehört daher zu den zeitaufwendigsten Aufgaben eines Architekturfotografen. Ein Kostenfaktor, der für Auftraggeber nicht immer sofort ersichtlich ist.

Jede Architektur-Produktion ist anders: Für die Wahl der richtigen Standpunkte ist unterschiedliches Equipment nötig. Je nach Gebäudegröße und Wünschen des Auftraggebers ist Fotoassistenz gefragt. Ein Gebäude optimal zu arrangieren gehört zu den wichtigsten Aufgaben während einer Produktion. Umwelteinflüsse wie die Zugänglichkeit eines Bauwerks, Wetterbedingungen, Licht oder Verkehr beeinflussen ein Shooting maßgeblich. Und in der Post-Produktion müssen vielleicht störende Objekte wie Hochleitungen, parkende Autos oder Gerüste entfernt werden.

Hinzu kommt die Frage nach der Verwendung der Fotografien. Bildnutzungsrechte können den Angebotspreis sehr stark variieren, denn je nach Einsatzbereich fallen unterschiedliche Lizenzkosten an. Die meisten Architekturfotografen unterscheiden zwischen Basis-Bildnutzungsrechten (Veröffentlichung in eigenen Medien), erweiterten Bildnutzungsrechten (Presse- und PR-Veröffentlichung) und der Weitergabe an andere, beteiligte Partner (z.B. der Bauherr).

Die Antwort “es kommt darauf an” hat also durchaus ihre Berechtigung. In diesem Wissensartikel möchten wir Ihnen daher so detailliert wie möglich vermitteln, auf was es in der Architekturfotografie ankommt und welche konkreten Faktoren Einfluss auf den Preis haben. Sie erfahren darüber hinaus:

  • was überhaupt “gute” Architekturfotografie ist
  • welche persönlichen Merkmale des Architekturfotografen den Preis beeinflussen
  • warum Sie bei der Beurteilung des Preises auch den Mehrwert und den Refinanzierungseffekt mit berücksichtigen sollten
  • warum Sie nicht nur nach Preis, sondern auch nach Ihrem Bauch- und Ästhetikgefühl entscheiden sollten
  • welche aktuellen Preisspannen vom Bundesverband Architekturfotografie e.V. als grobe Richtlinien ausgegeben werden

Inhaltsverzeichnis

1. Was ist überhaupt “gute” Architekturfotografie?

2. Weiche Faktoren, die Einfluss auf den Preis eines Architekturfotografen haben

3. Harte Faktoren, die Einfluss auf den Preis eines Architekturfotografen haben

4. Beispielkalkulation für eine Architekturfotografie-Produktion

5. Fazit

Kurzer Exkurs: Was ist überhaupt “gute” Architekturfotografie?

Bevor wir näher darauf eingehen, was gute Architekturfotografie kostet, stellt sich die Frage, was gute Architekturfotografie überhaupt ist. Um das Qualitätsniveau eines Architekturfotografen zu beurteilen, sollten Sie daher diese vier Grundprinzipien kennen:

1) Gute Architekturfotografie schafft, steigert und erhält Werte

Wir verraten Ihnen eine relativ simple Methode, den Anspruch eines Architekturfotografen herauszufinden: Fragen Sie ihn, was Architekturfotografie für ihn bedeutet. Antwortet er oberflächlich oder weicht er aus, deutet das auf fehlendes Fachwissen hin. Kann er Ihnen hingegen erklären, dass Architekturfotografie Bauwerke zum Leben erweckt und ihren Nutzen in einem ökonomischen, politischen und räumlichen Kontext setzt, sollten Sie seine Nummer in den Favoriten speichern. 

Sind Sie Architekt, so wird er sofort darauf eingehen, dass Architekturfotografie Ihre Idee sichtbar und zugänglich macht und Sie so die Möglichkeit haben, Ihr Werk zu kommunizieren, mediale Aufmerksamkeit zu schaffen und damit auch Architekturgeschichte mitzuprägen. 

Sind Sie Bauherr, so wird ein guter Architekturfotograf schnell darauf eingehen, dass seine Bilder Ihr Bauwerk im Idealzustand konservieren und damit eine optimale Basis für eine Veräußerung schaffen. Bereits durch die Architekturfotografie gewinnt ein Bauwerk daher an Wert.
Zusammengefasst: Ein guter Architekturfotograf holt Sie mit Fachwissen ab und versucht Sie nicht mit Floskeln von sich und seinen Fähigkeiten zu überzeugen. Haben wir Sie neugierig gemacht, welche Nutzen und Funktionen Architekturfotografie hat? Dann empfehlen wir Ihnen diesen Wissensartikel.

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2) Gute Architekturfotografen sind professionell organisiert

Vom Erstgespräch über die Produktionsvorbereitung bis hin zum Shooting und der Bildbearbeitung – für einen guten Architekturfotografen ist die effiziente und kundenzentrierte Organisation von Projekten eine Selbstverständlichkeit. Das gibt nicht nur Ihnen das sichere Gefühl mit Ihrem Bauwerk in guten Händen zu sein, sondern auch dem Architekturfotograf die Freiheit, sich maximal auf seine künstlerische Arbeit zu konzentrieren.

Unser Tipp: Lesen Sie sich unseren Wissensartikel “Woran erkenne ich gute Architekturfotografen” durch und erfragen Sie im Erstgespräch die konkrete Vorgehensweise des Fotografen. Sie merken dann recht schnell, ob er professionell organisiert ist.

3) Gute Architekturfotografie hängt auch von den Rahmenbedingungen ab

Ein falsch geparktes Auto, ein nicht entferntes Gerüst, ein unzugängliches Gebäude – manchmal spielen kleine Details eine entscheidende Rolle für die Qualität der Aufnahmen. Sie können den renommiertesten, begabtesten Architekturfotografen der Welt engagieren, wenn die Rahmenbedingungen am Produktionstag nicht stimmen, wird Sie das Ergebnis nicht zufriedenstellen.

Übrigens: Zu den entscheidenden Einflussfaktoren einer Architektur-Produktion gehört auch eine gegenseitige Wertschätzung, die sich zum Beispiel in der transparenten Weitergabe von Informationen im Rahmen eines Briefings oder Ihrem Engagement am Produktionstag zeigt. Ein Architekturfotograf kann dann die besten Bilder produzieren, wenn er die Intention des Gebäudes verstanden hat und Sie ihm Ihre Wünsche und Erwartungshaltung genau mitteilen.
Wie Sie als Auftraggeber die optimalen Rahmenbedingungen für eine Architektur-Produktion herstellen, erfahren Sie in unserem Wissensartikel “Praxisleitfaden Architekturfotografie: Das sollten Architekten und Bauherrn wissen”.

4) Gute Architekturfotografie liegt auch im Auge des Betrachters

Bei der Durchsicht von Portfolios und Mappen ist Ihnen bestimmt schon aufgefallen, dass die Bilder eines Architekturfotografen oft großen Wiedererkennungswert haben. Trotz unterschiedlichster Bauwerke wirken die Referenzen homogen. Viele Fotografen haben Präferenzen, die sich in projektübergreifenden Bildstilen ausdrücken. Das kann z.B. die wiederkehrende Wahl bestimmter Standpunkte sein oder ein Fable für Aufnahmen in der Abenddämmerung.

Bildstile können für Sie als Auftraggeber ein sehr gutes Kriterium für die Auswahl des richtigen Architekturfotografen sein – ganz unabhängig vom Kostenpunkt und der Professionalität des Fotografen. Gefällt Ihnen ein bestimmter, wiederkehrender Bildstil, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie am Ende auch von Ihrem Bauwerk Bilder bekommen, die Sie zufriedenstellen. Daher ist die Beurteilung guter Architekturfotografie auch zu einem nicht unerheblichen Teil abhängig von Ihrer subjektiven Wahrnehmung.

Weiche Faktoren, die Einfluss auf den Preis eines Architekturfotografen haben

Unter weichen Faktoren versteht man solche, die nicht an einem Maßstab (z.B. Zeitaufwand, Materialkosten oder Lizenzgebühren) gemessen werden können. Sie sind also nicht direkt an eine Kalkulationsposition in einem Angebot geknüpft, sondern spielen für das generelle Preisniveau eines Architekturfotografen eine Rolle.

a) Die Fähigkeiten und die Erfahrung des Architekturfotografen

Wie bei den allermeisten freiberuflichen und künstlerischen Tätigkeiten ist auch in der Architekturfotografie das Preisgefüge von der Erfahrung des Fotografen abhängig. Ein Berufseinsteiger, der gerade sein Fotografie-Studium abgeschlossen hat, verlangt in aller Regel ein geringeres Tageshonorar als ein Fotografie-Veteran, der bereits für viele renommierte Kunden erfolgreich gearbeitet hat.

Es ist ganz natürlich, dass mit zunehmender Erfahrung des Architekturfotografen auch seine Preise steigen. Denn er verbessert mit jeder Produktion seine Fähigkeiten, kann Bauwerke schneller und gezielter analysieren und findet selbst bei schlechten Wetterverhältnissen die optimalen Standpunkte und Lichtstimmungen. Hinzu kommt, dass erfahrene Fotografen auch oft besseres – und damit teureres – Equipment einsetzen, dessen sicheren Umgang sie beherrschen.

b) Das Kunden-Portfolio und der Schwerpunkt des Fotografen

Einen ersten Anhaltspunkt für das Preisniveau kann auch ein Blick in das Portfolio des Fotografen geben. Hier ist relativ schnell zu erkennen, für welche Art von Kunden der Fotograf arbeitet und wie viel Wert er auf eine perfekte Bildkomposition legt. Weist das Portfolio überwiegend bekannte Großunternehmen aus, können Sie davon ausgehen, dass der Fotograf im mittleren bis oberen Preissegment anbietet. Gleiches gilt, wenn Sie dem Bildmaterial bereits den maximalen Qualitätsanspruch ansehen, z.B. durch perfekt inszenierte Lichtstimmungen, komplexe Retuschearbeiten oder außergewöhnliche Standpunkte.

Finden sich im Portfolio hingegen viele Bilder von architektonisch eher unauffälligen Motiven wie einfachen Ein- und Mehrfamilienhäusern wieder, deutet das eher auf einen niedrigeren Preis hin. Oftmals verdienen sich Architekturfotografen mit Immobilienprojekten die ersten Sporen. Das Qualitätsniveau unterscheidet sich maßgeblich von Architektur-Produktionen die dazu dienen, ein architektonisch attraktives Bauwerk im Idealzustand zu konservieren.

c) Die Reputation des Architekturfotografen

Analog zu seiner Erfahrung und seinen Fähigkeiten, steigt in der Regel das Ansehen des Fotografen. Exzellente Arbeit spricht sich bekanntlich schnell herum und der Fotograf wird ohne Eigenakquise an andere Auftraggeber weiterempfohlen. Eine gute Reputation gibt Architekturfotografen die Sicherheit und Freiheit, eine entsprechend hohe Entlohnung für ihre Leistungen zu verlangen. Denn mit dem Reputations-Plus geht meist ein schnelles Verständnis für die Bedürfnisse der Kunden und damit ein effizienter Produktionsablauf einher. Ein hohes Gut für viele Auftraggeber, deren zeitliche Ressourcen stark begrenzt sind.

d) Der Aktionsradius des Architekturfotografen

Auch die Architekturfotografie-Branche unterliegt wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Daher hat auch das Gebiet, in dem der Fotograf tätig ist, Einfluss auf seinen Preis. Liegt sein geografischer Wirkungsbereich in einem Gebiet, das von großem Wohlstand und einer hohen Nachfrage nach Architekturfotografie geprägt ist, wird er seinen Preis entsprechend nach oben korrigieren. Das trifft beispielsweise auf Großstädte wie Frankfurt oder Düsseldorf zu, in denen der Anteil wohlhabender Menschen und architektonischer Highlights besonders groß ist.

e) Die Anforderungen des Auftraggebers

Der Gesamtpreis einer Architektur-Produktion ist maßgeblich davon abhängig, welche Anforderungen der Auftraggeber stellt. Der Anspruch eines Konzerns, der z.B. einen riesigen Trading Room fotografiert haben möchte, ist ein anderer, als der eines kleinen Einzelhandelsgeschäfts auf der Ecke. Eine Faustregel lautet hier: Je größer das finanzielle Gesamtvolumen des Bauwerks, desto aufwändiger wird die Fotoproduktion.

Harte Faktoren, die Einfluss auf den Preis eines Architekturfotografen haben

Nachdem Sie nun ein Gefühl dafür haben, welche weichen Faktoren Einfluss auf die Preisgestaltung des Architekturfotografen haben, wollen wir Ihnen nachfolgend eine möglichst vollständige Übersicht über die harten Faktoren geben, die vor, während und nach einer Produktion für die Kalkulation ausschlaggebend sind.

a) Bauwerk-abhängige Einflussfaktoren

Art des Bauwerks: Ein perfekt inszeniertes und cleanes Museum ist schneller fotografiert, als ein Großraumbüro, bei dem vor Ort hunderte Mitarbeiter dirigiert werden und dutzende Dekorationsgegenstände arrangiert werden müssen.

  • Zugänglichkeit: Sind alle relevanten Bereiche des Gebäudes erreichbar oder müssen Hilfsmittel eingesetzt werden?
  • Vorbereitung und Gebäudegröße: Der Umfang einer Produktion ist davon abhängig, wie gut das Gebäude bereits vom Architekten oder Bauherrn arrangiert wurde. Darüber hinaus lässt sich ein kleines Wohnhaus wesentlich schneller fotografieren, als eine mehrstöckige Firmenzentrale.
  • Gebäude-Ausrichtung und -fassade: Die Länge und Komplexität einer Produktion kann abhängig davon sein, welche Gebäudefassaden gezeigt werden sollen und wie das Gebäude im Licht steht. Eine nach Norden ausgerichtete Fassade lässt sich aufgrund des Sonnenstands oft erst spät Abends optimal fotografieren.
  • Besondere geografische Lage: Liegt ein Bauwerk an einer schwer erreichbaren Stelle, z.B. an einem Hang, verändert das die Produktionsbedingungen.
  • Parkplatzsituation: Bei Produktionen für Unternehmen ist den Auftraggebern häufig wichtig, dass keine parkenden Fahrzeuge im Sichtfeld sind. Dann ist es ggf. nötig, Parkplätze zu sperren oder den Einsatz auf das Wochenende zu verlagern. Viele Architekturfotografen rechnen dann mit einem höheren Honorar ab.
  • Standort des Bauwerks: Befindet sich ein Objekt in der Nähe des Wohnorts des Architekturfotografen, fallen natürlich geringere Reise- und Unterbringungskosten an. Meist spielen die Reisekosten aber eine untergeordnete Rolle, denn vielen Auftraggebern ist vor allem die gleichbleibende Produktionsqualität und ein einheitlicher Bildstil wichtig.
  • Spezialfall Messestand: Hier ist es nicht unüblich, dass Messeveranstalter eine Fotogenehmigung verlangen. Es können Kosten zwischen 50 und 450 Euro pro Messestand auf den Auftraggeber zukommen.

b) Einflussfaktoren in der Produktionsvorbereitung

Qualität des Briefings: Wie umfangreich sind die Rahmenbedingungen und die Wünsche des Auftraggebers in dessen Briefing beschrieben? Eine möglichst genaue Einschätzung der Vor-Ort-Gegebenheiten und Eventualitäten führt zu einer realistischen Preiskalkulation. Ist das Briefing wage, muss der Fotograf ein gewisses Zeitkontingent als Puffer einbauen. Das kann die Produktion verteuern.

  • Vorbereitung des Bauwerks: Diesen Faktor kann vor allem der Architekt bzw. der Bauherr beeinflussen. Wenn ein Gebäude bei Ankunft des Fotografen bereits optimal arrangiert ist, spart das natürlich Zeit und Kosten. Sind Fenster beispielsweise geputzt und der Rasen gemäht? Besonders aufwändig wird’s wenn Baugerüste oder ganze Baustellen im Nachgang retuschiert werden müssen.
  • Vorab-Besichtigung vor Ort: bei größeren Architektur-Projekten ist eine Vor-Ort-Besichtigung die effizienteste Möglichkeit, die Produktion vorzubereiten. Diese Vorbereitungszeit vor Ort fließt in die Kalkulation des Fotografen ein – genauso wie die zusätzlichen Kosten, die durch die An- und Abreise entstehen.
  • Kurzfristigkeit der Beauftragung: Wird ein Architekturfotograf z.B. erst kurz vor Beginn einer Messe beauftragt, sind die Unterbringungskosten vermutlich wesentlich höher, als wenn ein Messe-nahes Hotel einige Monate vorher gebucht wurde.
  • Direkte Kosten auf Kundenseite: Durch eine Architektur-Produktion können weitere Kostenpunkte entstehen, die nicht im Angebot des Fotografen inbegriffen sind. Das können z.B. Kosten für die Genehmigung eines Shootings, die Bereitstellung von Mitarbeitern eines Unternehmens oder Vorarbeiten wie die Pflege des Grundstücks sein.

c) Einflussfaktoren während der Produktion

  • Abstimmung vor Ort: Fand keine Vorab-Begehung des Bauwerks statt, muss sich der Architekturfotograf am Produktionstag ein Bild der Situation machen. Dazu begeht er alle relevanten Teile des Gebäudes, stimmt sich mit dem Architekt bzw. dem Bauherrn ab und lässt sich noch einmal kurz briefen. Diesen Zeitaufwand kalkuliert er normalerweise in die Produktionszeit ein.
  • Dauer des Shootings: Die Produktionszeit ist von sehr vielen Faktoren wie dem Zustand des Gebäudes, der Wetterlage oder der Anzahl gewünschter Aufnahmen abhängig. Der erfahrene Architekturfotograf Philip Kistner hat eine Faustformel für eine grobe Ersteinschätzung der Shooting-Dauer erarbeitet: Pro 20 finalen Bildern (nach Sichtung der Vorschauen und Aussortierung aller Varianten) lässt sich ca. 1 Produktionstag veranschlagen.
  • Die Jahreszeit: Besonders im Winter sind die Produktionstage etwas kürzer – das liegt einfach daran, dass die Sonne später auf- und früher untergeht.

d) Benötigtes Equipment

  • Spezielle Kameras: Benötigt ein Kunde ultra-hochaufgelöstes Bildmaterial, z.B. für großformatige Plakate oder Messerückwände, organisiert der Fotograf eine Kamera mit Auflösungen bis 150 Megapixeln sowie das passende Equipment. Die Miete der Kamera stellt er in der Regel dem Kunden in Rechnung.
  • Hubsteiger: Kein Architekturfotograf besitzt einen eigenen Hubsteiger. Die Transporter mit ausfahrbarer Hebebühne müssen bei Bedarf vorher angemietet werden.
  • Drohnen: Hier kostet nicht nur das technische Equipment selbst extra – auch das Shooting mit einer Drohne wird von einigen Architekturfotografen separat veranschlagt. Zusatzaufwand entsteht dadurch, dass meist ein Pilot benötigt wird, der die Drohne fliegt. Nur so kann sich der Fotograf voll und ganz auf das Fotografieren konzentrieren und höchste Qualitätsansprüche bedienen. Eine kostengünstigere Lösung ist der Einsatz von DJI Drohnen, die viele Fotografen selbst fliegen und gleichzeitig Bilder machen können.

e) Fotoassistent

  • Bei größeren Produktionen bringt der Fotograf meistens mindestens eine Fotoassistenz mit. Die Preise für eine Hilfskraft liegen in der Regel zwischen 250 und 400 Euro pro Tag. Die Investition lohnt sich: Der Fotograf kann sich auf seine Kernkompetenz konzentrieren und ein Gebäude ist wesentlich schneller arrangiert, wenn mehrere helfende Hände daran beteiligt sind. Fotoassistenten haben darüber hinaus auch ein geschultes Auge und ein Feeling für gute Standpunkte. So fallen Details schneller auf und die Produktion gewinnt insgesamt an Qualität und Effizienz.

    Unentbehrlich ist eine Fotoassistenz auch bei Werbe-Produktionen, z.B. wenn ein bestimmter Raum für den Katalog einer Einrichtungsfirma geshootet werden soll. Dann ist meist ein Lichtassistent nötig und in einigen Fällen ein Mitarbeiter, der das geschossene Bildmaterial direkt am Rechner bearbeiten kann. Für den Kunden entsteht so der Vorteil, dass die Ergebnisse sofort kontrolliert und adaptiert werden können.

f) Einflussfaktoren nach der Produktion

  • Bildnachbearbeitung: Retuscheaufwand entsteht fast bei jeder Architektur-Produktion. Wir geben Ihnen einen Überblick über die häufigsten Arbeiten in der Bildnachbearbeitung: 
    • Störende Autos müssen entfernt und Baumängel behoben werden
    • Verschiedene Belichtungen werden montiert, wenn der Kontrastumfang zu hoch ist (z.B. bei Sonnenuntergängen)
    • Staub und Flecken werden entfernt und Böden werden gereinigt
    • Bildkorrekturen wie Tiefen, Lichter, Kontrast, Helligkeit uvm. werden vorgenommen
  • Zeitkritische Bearbeitung: Manche Auftraggeber brauchen die fertig retuschierten Aufnahmen bereits am nächsten Tag. Das kommt vor allem bei Messe-Produktionen vor. Dort kann oft erst in der Nacht vor Messebeginn geshootet werden und das Bildmaterial muss bereits am nächsten Tag über die Online-Kanäle des Kunden verteilt sein. Für besonders kurzfristige Arbeiten, die ggf. nachts stattfinden, nehmen Architekturfotografen meist einen Aufschlag.
  • Bereitstellung der Bilder: Die Distribution des Bildmaterials erfolgt heute überwiegend per Cloud. Bilder werden auf einen Online-Speicherplatz hochgeladen und in den gewünschten Auflösungen oder Formaten zur Verfügung gestellt. Auch die Archivierung und das dauerhafte Vorhalten des Bildmaterials sind – zugegebenermaßen kleine – Kostenfaktoren. Diese Fixkosten werden in der Regel in den Gesamtpreis einer Architektur-Produktion eingerechnet.

g) Kosten für Bildnutzungsrechte

  • Basis-Bildnutzungsrechte: Diese sind meist im Honorar des Architekturfotografen mit inbegriffen. Sie ermöglichen die Nutzung der Bilder in eigenen Medien (z.B. Website, Broschüren oder Präsentationen)
  • Bildnutzungsrechte für Presse & PR: Bei der Publikation von Aufnahmen auf externen Plattformen wie Fachzeitschriften, Presseportalen, in Zeitungen oder in Büchern gilt: Die Herausgeber erwerben die Bilder in der Regel direkt beim Fotografen. Würde der Architekturfotograf seinem Auftraggeber Bildmaterial für Presse & PR honorarfrei zur Verfügung stellen, würde das Geschäftsverhältnis zwischen Fotograf und Publizist (z.B. Verlag, Magazin) gestört. Daher verlangen viele Architekturfotografen ein Honorar für die Nutzung ihrer Bilder in Presse & PR.

    Die Aufnahmen können dann auf externen Plattformen wie Fachzeitschriften, Presseportalen, in Zeitungen oder Büchern publiziert werden. Für Architekten lohnt sich das in den allermeisten Fällen schon deswegen, weil sie so das Bildmaterial zur Selbstvermarktung nutzen, ihre Bekanntheit und Reputation steigern können. Es handelt sich also um eine sinnvolle Investition in die eigene Reputation.
  • Bildnutzungsrechte für Dritte (Projektpartner): An den Bildern eines Bauwerks hat meist nicht nur der Architekt oder Bauherr Interesse. Auch die Handwerksbetriebe, die z.B. Fenster, Türen, Böden, Bäder oder Küchen eingebaut haben, sind an einer Weiterverwendung des Bildmaterials zu eigenen Zwecken interessiert. Architekturfotografen verlangen hier meist pro Projektpartner eine Pauschale für die zusätzliche Nutzung. Hier ist es ähnlich wie bei den Bildnutzungsrechten für Presse & PR: Dritte kaufen das Bildmaterial in der Regel direkt beim Fotografen ein.
  • Whitelabeling: Selten kommt es vor, dass ein Auftraggeber die Nennung des Fotografen nicht wünscht. Für das sogenannte Whitelabeling muss er meist tief in die Tasche greifen, da der Fotograf auf seinen gesetzlichen Anspruch der Namensnennung verzichtet. Für ihn hat das Whitelabeling direkten Einfluss auf seine Reputation, da nicht mehr klar erkennbar ist, dass er der Urheber der Aufnahmen ist.
  • Exklusive Bildnutzungsrechte: Wie der Begriff “exklusiv” bereits andeutet, ist hiermit die ausschließliche Nutzung der Bilder durch den Auftraggeber gemeint. Erstellt ein Architekturfotograf beispielsweise Bilder einer Produktionshalle, in der schützenswerte Technik eingesetzt wird, so möchte der Auftraggeber ggf. vermeiden, dass die Bilder frei am Markt präsentiert werden. Er kann dann mit dem Fotograf vereinbaren, dass dieser das Bildmaterial nicht an Dritte weiterverkaufen darf. Das Exklusivrecht verhindert somit eine nicht gewünschte Publikation der Bilder. Dem Fotograf geht damit natürlich die Weitervermarktungsmöglichkeit verloren. Dies wird er durch ein höheres Honorar gegenüber dem Auftraggeber kompensieren.

    Ein exklusives Bildnutzungsrecht regelt hingegen nicht, in welchem Umfang die Bilder durch den Auftraggeber verwendet werden dürfen. Häufig werden diese beiden Sachverhalte verwechselt, sodass ein exklusives Bildnutzungsrecht in den seltensten Fällen tatsächlich zur Anwendung kommt.

Beispielkalkulation für eine Architekturfotografie-Produktion

Nachdem Sie nun wissen, welche spezifischen Einflussfaktoren für die Kalkulation eines Architekturfotografie-Angebots eine Rolle spielen, möchten wir Ihnen einen kleinen Einblick geben, wie der Architekturfotograf Philip Kistner seine Angebote kalkuliert:

1) Der Tagessatz:
Ein pauschales Honorar für die Produktion vor Ort inkl. der Basis-Bildnutzungsrechte. Damit wird dem Auftraggeber ein einfaches Bildnutzungsrecht zur Verwendung der jeweiligen Aufnahmen in eigenen Medien – beispielsweise Website, Broschüren, Vorträge, oder Präsentationen – eingeräumt. Die Weitergabe der Aufnahmen an Dritte ist in den Basis-Bildnutzungsrechten nicht enthalten. Dies ist jedoch über erweiterte Bildnutzungsrechte möglich.

Der Preis ist u.a. abhängig von:

  • Den Rahmenbedingungen (Art & größe des Bauwerks, Wünsche des Auftraggebers)
  • Der Qualität des Briefings
  • Dem daraus resultierenden, zeitlichen Aufwands (wie viele Produktionstage sind nötig?)

2) Bildbearbeitungs-Pauschale:
Für den Basis-Retuscheaufwand nach dem Shooting berechnet Philip Kistner eine Pauschale pro Bild. Besonders aufwändige Retuschen stimmt er vorher mit seinen Auftraggebern ab und berechnet sie nach Aufwand. In der Basis-Retusche pro Motiv sind meist folgende Positionen enthalten:

  • Datenhandling
  • Bildauswahl
  • RAW-Konvertierung
  • Basis-Retuschearbeiten
  • Individuelle Farbanpassungen
  • Upload der ausgewählten Bilder auf einen Server
  • Archivierung des Bildmaterials

3) Erweiterte Bildnutzungsrechte:
Für die honorarfreie Weitergabe der Bilder an Verlage oder Magazine berechnet Philip Kistner ebenfalls eine Pauschale. Die Nutzung in den Medien des Auftraggebers ist in der Regel im Tagessatz inbegriffen.

Folgende zusätzliche Nutzungsrechte-Pakete sind verfügbar:

  • Nutzungsrechte für Presse und PR
  • Nutzungsrechte für am Bauwerk beteiligte Unternehmen (z.B. Handwerksbetriebe)

4) Reisekosten:
Die An- und Abreise sowie Übernachtungen werden nach angefallenem Aufwand berechnet. Hinzu kommt ein 10-prozentiger Aufschlag für das Handling.

5) Zusätzliches Equipment:
Alles, was nicht zum Standardumfang einer Architektur-Produktion gehört, wird in diesem Posten separat kalkuliert.

    Darunter kann z.B. fallen:

  • Spezielle Hochleistungs-Kameras, z.B. mit Auflösungen von bis zu 150 Megapixeln für Großformat-Plakate oder Messerückwände
  • Hubsteiger
  • Drohnen

Durchschnittspreise in der Architekturfotografie

Sie kennen nun die Kalkulationsposten in einem Architekturfotografie-Angebot. Abschließend möchten wir Ihnen noch einen Anhaltspunkt geben, welche tatsächlichen Preise bei einer Architektur-Produktion anfallen können. Als Referenz dient hierzu der unter Architekturfotografen renommierte Blog https://apalmanac.com, auf dem Architekturfotograf Mike Kelley kürzlich einen Honorarrahmen veröffentlicht hat. Er unterscheidet unter anderem nach Standort, Marktgröße und Erfahrungsgrad des Fotografen:

Preise-Range für Architekturfotografen, die gerade beginnen, professionell zu fotografieren:

  • In einem großen, urbanen Markt: 
    • Tageshonorar: 1.000 – 1.500 US-Dollar (umgerechnet 950 – 1.400 Euro) 
    • Bildbearbeitungs-Pauschale pro Bild: 50 US-Dollar (umgerechnet 45 Euro)
  • In einem mittelgroßen bis ländlichen Markt:
    • Tageshonorar: 500 – 1.000 US-Dollar (umgerechnet 450 – 950 Euro) 
    • Bildbearbeitungs-Pauschale pro Bild: 25 US-Dollar (umgerechnet 23 Euro)

Preise-Range für Architekturfotografen, die bereits seit längerer Zeit professionell fotografieren:

  • In einem großen, urbanen Markt:
    • Tageshonorar: 2.000 – 2.500 US-Dollar (umgerechnet 1.800 – 2.300 Euro)
    • Bildbearbeitungs-Pauschale pro Bild: 50 – 75 US-Dollar (umgerechnet 55 – 70 Euro)
  • In einem mittelgroßen bis ländlichen Markt:
    • Tageshonorar: 1.500 – 2.000 US-Dollar (umgerechnet 1.400 – 1.800 Euro)
    • Bildbearbeitungs-Pauschale pro Bild: 50 US-Dollar (umgerechnet 45 Euro)

Preis-Range für etablierte Architekturfotografen mit mehrjähriger professioneller Berufserfahrung:

  • Unabhängig von Marktgröße:
    • Tageshonorar: 3.000 – 8.000 US-Dollar (umgerechnet 2.700 – 7.300 Euro)
    • Bildbearbeitungs-Pauschale pro Bild: 100 – 250 US-Dollar (umgerechnet 90 – 230 Euro)

Hinweis: Euro-US-Dollar Umrechnung basierend auf einem Wechselkurs von 1 Euro = 1,09 US-Dollar (Stand 25.09.2019).

Fazit: Die Frage “wie teuer ist gute Architekturfotografie” ist beantwortet

Glückwunsch, Sie haben nun die Kostenpunkte in der Architekturfotografie verstanden! Dieser Artikel hat Ihnen den Unterschied zwischen weichen und harten Einflussfaktoren bei der Preisgestaltung in der Architekturfotografie näher gebracht und viele, konkrete Anhaltspunkte geliefert, um die Arbeit eines Architekturfotografen besser zu verstehen.  Außerdem kennen Sie nun die wichtigsten Beurteilungskriterien für die Qualität eines Architekturfotografen.

Was Sie auch gelernt haben: Architekturfotografie-Projekte sind aufgrund ihrer organisatorischen Komplexität schwer vergleichbar und der Erfolg einer Produktion hängt auch maßgeblich von Ihnen ab. Ob subjektive Präferenz für einen Bildstil oder Eigenengagement vor Ort – Sie haben viele Fäden selbst in der Hand, um aus einer Produktion das Maximum rauszuholen.

Für besonders wertvoll erachten wir die Referenzpreise vom renommierten APALMANAC Blog. Viel näher können Sie an die Beantwortung der Frage wie teuer gute Architekturfotografie ist, nicht herankommen. Mit einer Ausnahme: Kontaktieren Sie den Architekturfotografen Ihrer Wahl und lassen Sie sich ein konkretes Angebot unterbreiten!

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